Frauen erzielen mehr Rendite, der Grund überrascht
Wenn dein Sicherheitsbedürfnis dir mehr bringt, als du denkst
38.000 Euro Unterschied, nur weil du eine Frau bist.
Das DIW und die ING haben nachgerechnet: Sobald Frauen anfangen zu investieren, holen sie im Schnitt eine höhere Rendite raus als Männer. Und zwar deutlich mehr.
Klingt erstmal komisch, oder? An der Börse, wo alle von schnellen Entscheidungen und mutigen Wetten reden, sollen ausgerechnet die vorsichtigeren Anlegerinnen vorne liegen.
Der Grund dafür ist etwas, das die meisten Frauen für ihre größte Schwäche halten.
Das Sparbuch-Gefühl
Dein Geld liegt auf dem Sparbuch, und die Inflation frisst es Stück für Stück auf. Du hast von der Rentenlücke gehört, du weißt, dass sie Frauen besonders hart trifft. Und trotzdem denkst du bei „Börse” an etwas Unübersichtliches, an einen Ort, an dem du dich nicht auskennst.
Also wartest du. Auf mehr Wissen, auf ein bisschen mehr Sicherheit, auf den richtigen Moment.
Das fühlt sich oft an wie ein Versäumnis. Als würde dir etwas fehlen, das andere längst haben.
Was ich in 30 Jahren immer wieder sehe
Ich arbeite vor drei Jahrzehnten angefangen Rechnungswesen zu unterrichten und bin inzwischen auch Honorarberaterin, und ein Muster begegnet mir dabei ständig. Frauen schichten ihre Portfolios seltener um. Sie jagen nicht dem nächsten Kick hinterher, sondern behandeln ihr Investment als das, was es sein soll: ein Werkzeug für später.
Männer handeln häufiger, und jede Umschichtung kostet Gebühren, die am Ende von der Rendite abgehen. Frauen bleiben ruhiger, streuen breiter und fragen eher „was kann schiefgehen” als „wo ist der nächste heiße Tipp”.
Man könnte das für Zurückhaltung halten. Ich nenne es Risikomanagement, und an der Börse zahlt sich das aus.
Echte Sicherheit entsteht nicht durchs Vermeiden von Risiken, sondern dadurch, dass man versteht, wie sie funktionieren.
Woher die Angst eigentlich kommt
Bei den meisten Frauen, mit denen ich arbeite, ist die größte Hürde nicht das fehlende Geld. Es ist das Gefühl, nicht genug zu wissen. Und in dieses Gefühl schleicht sich dann Angst.
Das kostet richtig Geld. Rechnen wir kurz: Du investierst einmalig 10.000 € und danach 200 € im Monat, 25 Jahre lang, bei einer angenommenen Marktrendite von 5 % pro Jahr.
Läuft das über eine klassische Provisionsberatung mit rund 2,5 % Gesamtkosten, hast du am Ende etwa 101.500 €. Läuft es über eine Honorarberatung mit günstigen ETFs um 0,5 % Kosten (oder traust dich auch allein ran), sind es rund 138.000 €. Über 36.500 € Unterschied, und der entsteht allein durch die Wahl des Beratungsmodells, nicht dadurch, wie gut du als Anlegerin bist.
Der Preis fürs Warten
Die OECD und das Bundesministerium für Finanzen liefern dazu noch eine unangenehme Zahl: Frauen leben im Schnitt länger, haben aber oft die geringeren Rentenansprüche. Jedes Jahr, das du mit dem Einstieg wartest, musst du später mit einer höheren Sparrate wieder ausgleichen.
Ich rechne beruflich seit 30 Jahren mit Zahlen, und diese Rechnung geht einfach nicht anders auf. Warten auf den perfekten Moment ist eines der teuersten Dinge, die du tun kannst, ohne es überhaupt zu merken.
Wie eine Gärtnerin
In der Frauenfinanzschule vergleiche ich Vermögensaufbau gern mit einem Garten. Eine Gärtnerin gräbt ihre Pflanzen nicht jede Woche aus, um nachzuschauen, ob die Wurzeln schon wachsen. Sie weiß, wann gesät wird, wie viel Wasser die Pflanzen brauchen, und dass ein Sturm im Herbst dem Frühling nichts anhaben kann.
Deine monatlichen Sparraten sind die Samen, deine Geduld ist der Dünger. Und genau diese Geduld, die sich manchmal wie Zögern anfühlt, ist der eigentliche Grund, warum Frauen an der Börse so gut abschneiden.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du bereit bist, loszulegen, reichen vier Schritte. Schau dir deinen finanziellen Status Quo an, was kommt rein, was geht raus. Bau dir ein Grundwissen zu Aktien, ETFs und Inflation auf, so solide, dass du es einer Freundin erklären könntest. Prüf deine bestehenden Verträge auf versteckte Provisionen. Und starte deinen Sparplan, egal mit welcher Summe.
Du musst nicht mutiger werden, um zu investieren. Deine Vorsicht bringt dich schon weiter, als du denkst.
Was hält dich gerade noch ab, den ersten Schritt zu machen: fehlt dir Wissen, Zeit, oder eher das Vertrauen in dich selbst?


